Für die meisten Menschen ist das regelmäßige Einkommen die Grundlage ihres Lebensstandards. Fällt dieses Einkommen aufgrund einer Berufsunfähigkeit weg, hat das oft weitreichende finanzielle Folgen. Laufende Kosten bestehen weiter, während das Gehalt ganz oder teilweise entfällt. Die staatlichen Leistungen reichen in vielen Fällen nicht aus, um den bisherigen Lebensstil dauerhaft zu finanzieren.
Warum ist dieses Thema so wichtig?
In Deutschland beziehen mehr als 1,8 Millionen Menschen eine Erwerbsminderungsrente. Jedes Jahr kommen mehrere hunderttausend neue Anträge hinzu. Statistisch betrachtet wird etwa jeder vierte Erwerbstätige im Laufe seines Berufslebens berufsunfähig. Wer nach dem 1. Januar 1961 geboren wurde, kann sich nicht mehr auf die frühere gesetzliche Berufsunfähigkeitsrente verlassen. Stattdessen existiert lediglich die Erwerbsminderungsrente mit deutlich eingeschränkten Leistungen. Dabei spielt weder die bisherige berufliche Stellung noch die Qualifikation eine Rolle. Die volle Erwerbsminderungsrente wird grundsätzlich nur dann gezahlt, wenn eine Person gesundheitlich nicht mehr in der Lage ist, täglich mehr als drei Stunden zu arbeiten. Selbst dann liegt die Leistung häufig lediglich bei rund 34 Prozent des letzten Bruttoeinkommens. Je nach individueller Beitragsbiografie kann die tatsächliche Leistung höher, aber auch deutlich niedriger ausfallen.
Berufsunfähigkeit betrifft nicht nur körperlich arbeitende Menschen
Bei Berufen wie Dachdeckern oder Fliesenlegern erscheint das Risiko einer Berufsunfähigkeit auf den ersten Blick nachvollziehbar. Viele Menschen mit überwiegend sitzender Tätigkeit gehen dagegen davon aus, dass sie selbst kaum betroffen sein könnten. Die Realität sieht anders aus. Die Ursachen für Berufsunfähigkeit haben sich in den vergangenen Jahren verändert. Erkrankungen des Bewegungsapparates und Herz-Kreislauf-Erkrankungen spielen weiterhin eine wichtige Rolle. Gleichzeitig gehören psychische Erkrankungen und Belastungen inzwischen zu den häufigsten Auslösern. Gerade Beschäftigte in Büro- und Verwaltungsberufen sind davon häufig betroffen. Berufsunfähigkeit ist daher kein Risiko einzelner Berufsgruppen, sondern kann grundsätzlich jeden Erwerbstätigen treffen.
Die Arbeitskraft ist oft der größte Vermögenswert
Viele Menschen sichern ihr Haus, ihr Auto oder andere Sachwerte ab. Der Wert der eigenen Arbeitskraft wird dagegen häufig unterschätzt. Ein Beispiel verdeutlicht die Größenordnung: Ein 35-jähriger Arbeitnehmer verdient monatlich 2.500 Euro und erhält 13 Gehälter pro Jahr. Unterstellt man eine jährliche Gehaltssteigerung von 2 Prozent, summiert sich sein Arbeitseinkommen in den nächsten 30 Jahren auf mehr als 1,3 Millionen Euro. Der Verlust dieser zukünftigen Einnahmen kann erhebliche finanzielle Auswirkungen haben.
Reicht die gesetzliche Erwerbsminderungsrente aus?
Ein Blick auf die Renteninformation zeigt häufig, dass die gesetzliche Absicherung deutlich unter dem bisherigen Einkommen liegt. Die entscheidende Frage lautet deshalb: Könnten Sie Ihren Lebensunterhalt dauerhaft mit der ausgewiesenen Erwerbsminderungsrente finanzieren? Für viele Menschen entsteht hier eine erhebliche Versorgungslücke.
Wann leistet eine Berufsunfähigkeitsversicherung?
Eine private Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt in der Regel eine vereinbarte monatliche Rente, wenn die versicherte Person ihren zuletzt ausgeübten Beruf aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen zu mindestens 50 Prozent nicht mehr ausüben kann. Die von vielen Versicherern verwendete Definition lautet vereinfacht: Berufsunfähigkeit liegt vor, wenn eine Person infolge von Krankheit, Körperverletzung oder altersbedingtem Kräfteverfall voraussichtlich mindestens sechs Monate lang außerstande ist, ihren zuletzt ausgeübten Beruf in der bisherigen Ausgestaltung zu mindestens 50 Prozent auszuüben und keine andere Tätigkeit ausübt, die ihrer bisherigen Lebensstellung entspricht.
Wovon hängt der Beitrag ab?
Die Höhe des Versicherungsbeitrags wird unter anderem durch folgende Faktoren beeinflusst:
- Eintrittsalter
- ausgeübter Beruf
- gewünschte BU-Rentenhöhe
- Gesundheitszustand
- Versicherungsdauer
Grundsätzlich gilt: Je früher eine Absicherung abgeschlossen wird, desto günstiger sind häufig die Beiträge und desto geringer ist das Risiko gesundheitlicher Einschränkungen bei der Antragsstellung.
Welche Einschränkungen gibt es?
Wie bei jeder Versicherung gelten bestimmte Voraussetzungen und Ausschlüsse. Zu beachten ist beispielsweise:
- Liegt der Grad der Berufsunfähigkeit unter 50 Prozent, besteht in der Regel kein Leistungsanspruch.
- Einige Berufe können nur eingeschränkt oder gar nicht versichert werden.
- Schäden im Zusammenhang mit Terror- oder Kriegsereignissen sind häufig ausgeschlossen.
- Vorsätzlich herbeigeführte Schäden sind nicht versichert.
- Bereits bestehende Erkrankungen können zu Risikozuschlägen, Leistungsausschlüssen oder sogar zur Ablehnung des Antrags führen.
Sinnvolle Ergänzungen zur Berufsunfähigkeitsversicherung
Krankentagegeldversicherung
Eine Berufsunfähigkeitsversicherung leistet erst dann, wenn die Voraussetzungen für eine Berufsunfähigkeit erfüllt sind. Wer vorübergehend arbeitsunfähig ist, erhält daraus in der Regel noch keine Leistung. Eine Krankentagegeldversicherung kann diese Lücke schließen und Einkommensverluste während einer längeren Arbeitsunfähigkeit auffangen.
Dread-Disease-Versicherung
Diese Absicherung zahlt bei bestimmten schweren Erkrankungen eine vereinbarte Einmalzahlung aus. Im Unterschied zur Berufsunfähigkeitsversicherung ist dabei nicht entscheidend, ob die versicherte Person noch arbeiten kann. Gerade für Selbstständige oder Personen mit gesundheitlichen Vorbelastungen kann sie eine sinnvolle Ergänzung oder in bestimmten Fällen auch eine Alternative sein.
Unfallversicherung
Der gesetzliche Unfallschutz greift überwiegend bei Unfällen während der Arbeit oder auf dem direkten Arbeitsweg. Viele Freizeitunfälle sind nicht abgesichert. Eine private Unfallversicherung kann hier zusätzlichen Schutz bieten.
Pflegezusatzversicherung
Wer nach einer schweren Erkrankung oder einem Unfall dauerhaft pflegebedürftig wird, muss häufig mit erheblichen Kosten rechnen. Die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung decken diese Ausgaben oft nur teilweise ab. Eine private Pflegezusatzversicherung kann helfen, finanzielle Belastungen für Betroffene und Angehörige zu reduzieren.
Private Rentenversicherung
Die Berufsunfähigkeitsrente endet zu dem vertraglich vereinbarten Zeitpunkt. Deshalb sollte die Absicherung der Arbeitskraft immer auch im Zusammenhang mit der Altersvorsorge betrachtet werden. Viele private Rentenversicherungen bieten die Möglichkeit, eine Beitragsbefreiung bei Berufsunfähigkeit einzuschließen. In diesem Fall übernimmt der Versicherer die Beiträge zur Altersvorsorge, solange die Berufsunfähigkeit besteht.
Rechtsschutzversicherung
Auch bei hochwertigen Vertragsbedingungen können im Leistungsfall unterschiedliche Auffassungen zwischen Versicherer und Versicherungsnehmer entstehen. Eine Rechtsschutzversicherung kann dabei helfen, die eigenen Ansprüche durchzusetzen, da sie unter anderem Anwalts-, Gerichts- und Gutachterkosten übernimmt.
Fazit
Die eigene Arbeitskraft bildet für die meisten Menschen die Grundlage ihrer finanziellen Existenz. Wer aufgrund einer Krankheit oder eines Unfalls seinen Beruf nicht mehr ausüben kann, steht oft vor erheblichen Einkommenseinbußen. Da die gesetzliche Absicherung meist nur einen Teil des bisherigen Einkommens ersetzt, gehört die Berufsunfähigkeitsversicherung zu den wichtigsten Bausteinen einer privaten Vorsorgestrategie. Eine sorgfältig abgestimmte Absicherung kann helfen, finanzielle Stabilität und Planungssicherheit auch in schwierigen Lebenssituationen zu erhalten.
